Engpasskonzentrierte Strategie

Die engpasskonzentrierte Strategie wurde 1970 von Wolfgang Mewes ins Leben gerufen. Es handelt sich nicht um einen betriebswirtschaftlichen Ansatz zur Unternehmensentwicklung, sondern um einen kybernetischen Ansatz.

Kybernetisch bedeutet dabei, dass zu viele Optionen oder unzureichendes Wissen vorhanden ist, während sich alles dynamisch in Bewegung befindet. Also typischerweise ein mittelständisches Unternehmen, das mit einem schwammigen Thema wie „Digitalisierung“ konfrontiert wird.

Das Ziel von Kybernetik ist in diesen komplexen Systemen gewisse Zusammenhänge und Strukturen zu finden. Wer diese wesentlichen Informationen hat, kann gezielt Einfluss nehmen und seinen Erfolg selbst steuern.

Hier schreibt:

Richard Sirch
Richard SirchStrategieberater
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1. EKS – eine erfolgreiche Strategie für komplexe Zusammenhänge

EKS, diese Abkürzung steht für engpasskonzentrierte Strategie, doch das kürzere „EKS“ geht dem Strategen besser von den Lippen. Die von Wolfgang Mewes gegründete Strategie dient dazu, komplexe System zu verstehen und sich dabei erfolgreich als Marktführer zu behaupten. EKS® ist heutzutage ein geschütztes Warenzeichen des Malik Management Zentrum St. Gallen.

Beinahe hätten sich Pareto und Mewes kennenlernen können, sie hätten sich bestimmt viel zu erzählen gehabt.

  • Vilfredo Pareto (1848–1923) hat die sehr bekannte 80-20-Regel auf Basis von sich wiederholenden Mustern in der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Natur formuliert.
  • Wolfgang Mewes (1924-2016) hat 50 Jahre später die Erfolgsstrategie EKS ebenfalls auf Basis der Beobachtung von natürlichen Vorgängen und Mustern in komplexen Zusammenhängen formuliert.

Nach Mewes Tod 2016 wurde die engpasskonzentrierte Strategie auf Mewes Strategie umbenannt. Leider hat die EKS nie die Popularität des Paretoprinzips erlangt, was sehr schade ist. Vielleicht gelingt es unter dem neuen Namen Mewes Strategie zu mehr Reichweite, es würde viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme lösen.

2. EKS als Antwort auf Singularität

Mit dem ersten EKS-Namen „Evolutions-konforme Strategie“ hätte ich vermutlich einen leichteren Einstieg in die EKS-Welt gehabt. Ich verstehe, dass in der Evolution alles im Fluss ist, sich verändert und anpasst.

  • Wer neue Gegebenheiten schafft, kann gewinnen.
  • Wer sich am schnellsten an neuen Gegebenheiten anpasst, überlebt.
  • Wer alte Gegebenheiten nicht loslassen möchte, wird verlieren.

Innovationen und neue Ideen haben durch die Digitalisierung eine weltweite Reichweite und verbreiten sich in einem irrsinnigen Tempo. Anderseits beeinflussen sich die Innovationen auch gegenseitig und das mit unvorhersagbarem Ergebnis.
Die zukünftige Welt ist ein dynamisches System, das immer komplexer wird und nicht kontrollierbar ist. Dieser Zustand wird auch Singularität genannt, wenn eine kleine Ursache (wie eine neue Erfindung) eine extrem große Auswirkung hat, aber nie wieder in dieser Konstellation auftreten wird.

Die engpasskonzentrierte Strategie basiert auf der Evolution, einem äußert komplexen dynamischen System, daher ist EKS auch zeitlos.
EKS kann immer als Antwort auf eine überfordernde Singularität zu Rate gezogen werden.

3. Das große 1×1 der Erfolgsstrategie: EKS

KERSTIN FRIEDRICH, FREDMUND MALIK, LOTHAR SEIWERT – Das große 1×1 der Erfolgsstrategie

Das große 1×1 der Erfolgsstrategie

Es gibt ein offizielles Buch mit vielen EKS Beispielen, die einem Unternehmer helfen EKS anzuwenden.

Das Buch ist von Kerstin Friedrich, Fredmund Malik und Lothar Seiwert und heißt „Das große 1×1 der Erfolgsstrategie: EKS® – Die Strategie für die neue Wirtschaft“.

Nachfolgend werden die strategischen Grundpfeiler aus dem Buch zitiert. Im Buch selbst wird jede Stufe mit unternehmerischen Beispielen veranschaulicht und es ist sehr lesenswert.

3.1 Die vier EKS Prinzipien

Die vier EKS Prinzipien sind die grundlegende Philosophie hinter EKS.

  • EKS-Prinzip 1: Konzentration und Spezialisierung
  • EKS-Prinzip 2: Minimumprinzip
  • EKS-Prinzip 3: Immaterielle vor materiellen Vorgängen
  • EKS-Prinzip 4: Nutzen- vor Gewinnmaximierung

3.2 Die sieben EKS Phasen

Die sieben EKS Phasen sind zur Orientierung bei der Umsetzung gedacht, um sich daran entlang zu hangeln. Das Ziel ist es, durch EKS Marktführer zu werden.

  • EKS-Phase 1: Analyse der Ist-Situation und der speziellen Stärken
  • EKS-Phase 2: Das erfolgversprechendste Spezialgebiet
  • EKS-Phase 3: Die erfolgversprechendste Zielgruppe
  • EKS-Phase 4: Engpassanalyse
  • EKS-Phase 5: Innovationsstrategie
  • EKS-Phase 6: Kooperationsstrategie
  • EKS-Phase 7: Das konstante Grundbedürfnis

4. Engpassanalyse – das 80-20 der Mewes Strategie

Wer die 80-20-Regel von Pareto auf die Mewes Strategie anwendet, der hat mit der Engpassanalyse den größten Hebel für schnelles Wachstum.

Löst Du das Kernproblem, die Ursache, hast Du eine ganze Kettenreaktion an Problemen, die sich einfach so auflösen. Denn es waren tatsächlich nur Symptome.

Der Engpass aus dem Minimumprinzip der Natur (EKS Prinzip 2) besagt, dass eine Pflanze verschiedene Nährstoffe benötigt, um zu wachsen. Fehlt ein Nährstoff, wächst die Pflanze nicht weiter. Angenommen Du hast einen schönen Geldbaum, der nicht mehr wächst: auch wenn Du 1 Liter Wasser in den Topf gießt, ihn in die pralle Sonne stellst und weiterhin der Dünger fehlt, wird er Dir das viele Gießen nicht danken. Vielleicht hättest Du auch einfach den Geldbaum in einen größeren Topf umpflanzen sollen, damit er weiter wächst. Jedenfalls ist der Geldbaum jetzt nicht mehr schön, weil Du Dich um die falschen Dinge gekümmert hast und nicht um den Engpass (z.B. Dünger oder neuer Topf).

Der Engpass beim Geldbaum ist ein zu kleiner Topf.

Das ist nicht nur bei Pflanzen so, sondern in allen dynamischen Systemen. Kümmere Dich um die eine einzige Ursache, die alles andere beeinträchtigt.

Du weißt zum Beispiel, dass Du ein super Vertriebler am Telefon bist und eine 100% Verkaufsquote bei Neukundengesprächen hast. Wenn Du aber keine Reichweite besitzt, dann hast Du keine Gespräche und daher auch keinen neuen Umsatz. Daher wäre es wenig hilfreich an den Angebotstexten oder an der Preisgestaltung zu arbeiten, wenn die Reichweite das Problem für zu wenig Umsatz ist. Es würde das Problem sogar verschärfen, weil das was der Kunde vorher an Angebotstexten oder Preisen akzeptiert hat, jetzt nicht mehr schmeckt.

Wer die Kräfte, sprich Ressourcen, bündelt und auf den Engpass (zum Beispiel mehr Reichweite über Google) ansetzt, dann fließt wieder alles ungehindert und (der Umsatz) kann wachsen.

5. EKS Erfahrungen und Interpretationen

Als eingefleischter EKS’ler und Mitglied im Bundesverband StrategieForum konnte ich in vielen Gesprächen feststellen, dass erfolgreiche Unternehmer ihre eigene Interpretation von EKS in der Praxis entwickelt haben. Sei es auf eine Branche ausgerichtet oder durch Wachstum als Franchise-System.

Doch sind die Unternehmer immer den grundlegenden vier EKS Prinzipien treu geblieben:

  • Konzentration der Kräfte – Fokussierung aller Ressourcen auf den wirksamsten Punkt und ständiges Aufräumen von irrelevanten Prozessen und Angeboten
  • Minimumprinzip – Konzentration auf den einen Engpass der Zielgruppe
  • Immaterielles vor Materiellem – Handeln auf Basis von Werten, anstatt wie Exit-getriebene Start-Ups, die am liebsten schon morgen ihre Firma verkaufen würden
  • Nutzenmaximierung – ständig den Kundennutzen verbessern, auch wenn nicht immer sofort Geld fließt. Irgendwann ergibt sich schon etwas Positives.

6. EKS bei Webgeist

Auch bei Webgeist dreht sich im Kern alles um die vier EKS Prinzipien, doch wir wenden EKS in unserer Beratung nicht an. Wir haben unser eigenes Strategiekonzept „Online Positionierung“ entwickelt, weil diese Methodensammlung für unsere Kunden besser und schneller zum gewünschten Erfolg führt.

Das Ziel von Online Positionierung ist es automatisiert Neukunden zu gewinnen, die ähnlich zu bestehenden Lieblingskunden sind. Das ist ein engumrissenes Problem, auf das wir eine engumrissene Problemlösung anbieten. Dazu benötigt es keine allumfassende engpasskonzentrierte Strategie, sondern datengetriebene Positionierungsberatung und die Umsetzung der Positionierung durch Webseitenoptimierung. Das alles geschieht natürlich mit den vier EKS Prinzipien im Hinterkopf. Das reicht aber auch, damit es funktioniert.

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