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3 Jahre Selbstständigkeit (und 1 1/2 Jahre Unternehmer)

  • Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

In den letzten 3 Jahren habe ich mich aus der Selbstständigkeit hin zum Unternehmer entwickelt. Dieser Artikel handelt von beendeten Firmen, wichtigen Erkenntnissen und den Menschen die hinter den Firmen stehen.

Vielleicht kennst Du schon meinen Artikel zu 1 Jahr Selbstständigkeit. Dass der „2 Jahre selbstständig“ Beitrag fehlt, hat seinen Grund: Ich hatte mich entschlossen, Unternehmer zu werden und damit haben sich die Ereignisse überschlagen. Inzwischen haben wir mit Webgeist eine tolle Firma, mit den richtigen Leuten im Hintergrund und einem besonders nützlichen Angebot. Die Firma ist in kürzester Zeit deutlich weiter in ihrem Entwicklungsgrad, als die vorangegangenen Firmen. So ist es nun Zeit, in einem Blogbeitrag die Erfahrungen der letzten Jahre zu reflektieren.

Unternehmergeschichte – Die Kapitel

Ich liebe es, wenn Menschen über sich hinauswachsen. Die Geschichten dahinter finde ich immer besonders interessant und motivierend. Einmal pro Jahr, wenn sich mein Schritt in die Selbstständigkeit jährt, lasse ich andere an meiner Unternehmergeschichte teilhaben.

Es gibt vier wichtige Punkte, die für den Erfolg im Business essenziell sind

Der Wermutstropfen ist, in den letzten 2 Jahren habe ich ein Startup, mit in der Spitze 8 Mitarbeitern und ein halb-privates Online Magazin mit 20 Redakteuren, das ich seit 15 Jahren betrieb, beenden müssen.

Es gibt vier wichtige Punkte, die für den Erfolg im Business essenziell sind. Du kannst noch so eine top Vorbereitung haben und Dich ständig um Deine persönliche Weiterentwicklung bemühen, wenn Du die vier Punkte nicht einhältst, wirst Du es schwer haben:

  1. Fokussierung und Kernproblem
  2. Entscheidungen treffen und Agieren
  3. Sich mit Unterstützern umgeben
  4. Die richtigen Menschen im Heißluftballon

1. Fokussierung und Kernproblem

Fokussierung

Die Fokussierung auf ein Thema ist wichtig. Es gibt immer etwas, dass für den Erfolg Deines Vorhabens maßgeblich verantwortlich ist. Eines Deiner Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsbereiche funktioniert am besten. Ein paar wenige der vielen Kunden bringen am meisten Umsatz oder Empfehlungen. Bestimmte Mitarbeiter, bestimmte Marketingkanäle und so weiter liefern die besten Ergebnisse.
Wenn Du das Fokussieren beherzigst, findest Du irgendwann einen Hebel, der besonders effektiv ist. Wenn Du Dich zu dieser Herangehensweise auf einen Punkt informieren möchtest, recherchiere zu Lehren wie Pareto und EKS. Oder Online Positionierung 😉

Kernproblem

Genau in die entgegen gesetzte Richtung gedacht: Du solltest Dir auch bewusst machen, dass ein Kernproblem auftreten könnte. Und wenn es dieses gibt, sind alles andere nur die Symptome. Das nennt sich auch Engpass, Showstopper oder Single-Point-of-Failure. Wenn das eintritt, dann steht schlimmstenfalls der ganze Laden (Du wirst krank, Festplatte kaputt, Internet weg, Produktion steht, Mitarbeiter krank, Webseite wird nicht mehr bei Google gefunden, etc.).

Du kannst das Konzept der Fokussierung und des Kernproblems auf Deine ganze Firma beziehen. Allerdings auch im Detail auf Deine Abteilungen. Was ist zum einen der „Hebel“ und das „Kernproblem“ der IT, vom Marketing, von Finanzen, vom Betrieb?
Wenn Du Dich also regelmäßig um die Fokussierung und potenzielle Kernprobleme kümmerst, bist Du auf dem richtigen Weg.

2. Entscheidungen treffen und Agieren

Entscheidungen treffen

Als Unternehmer hast Du das Privileg und auch den Zwang Entscheidungen zu treffen. Du kannst es nicht nach oben an den Chef abgeben. Niemand sagt, tu dies oder mach jenes. Du musst Verantwortung übernehmen, ob Du willst oder nicht. Daher ist am Besten schneller harte Konsequenzen zu ziehen, bevor sich irgendetwas auftürmt. Das Problem bei der Entscheidung ist die Ungewissheit, was dann passiert. Unternehmer sind schließlich auch nur ganz normale Menschen. Leider muss man da durch, doch man härtet mit jedem Mal ab. Und es ist sehr oft eine echte Befreiung, wenn Du durch dieses Tal durchgegangen bist.
Denk Dir immer, Du kannst bei Deiner Firma nicht kündigen und Du hast keinen Sozialschutz, wie Deine Mitarbeiter. Wenn es schiefläuft, dann aber richtig, nämlich auch privat. Was mir hilft, ist, zu überlegen, kann ich mir vorstellen diese Situation in den nächsten 7 Jahren auszuhalten? Dann fällt die Entscheidung oft deutlich leichter und schneller.

Agieren

Agieren ist wohl eine der wichtigsten Unternehmereigenschaften. Agieren bedeutet von sich aus zu handeln, nicht auf externe Einflüsse zu warten. Das ist nämlich reagieren und Du hast keinen Handlungsspielraum mehr. Schieflaufen kann es immer, dann muss man einen Umweg nehmen oder einmal mehr aufstehen. Es ist fast immer besser, wenn man Dinge selbst in die Hand nimmt und nicht auf Hoffnung baut.
Mach jedenfalls keine Pläne mit Dingen, die Du nicht in der Hand hast! Versuch einen Plan B in der Hand zu haben. Ob Du jemandem vertrauen kannst, merkst Du am schnellsten, wenn Du jemandem Vertrauen schenkst. Wenn es nicht hinhaut, dann brich die Geschichte schnell ab. Es gibt zwei Ansichtsweisen, Du kannst sagen, Du bist über den Tisch gezogen worden, hast Pech gehabt oder Du hast zu wenig agiert.

3. Sich mit Unterstützern umgeben

Es zählen Taten, nicht Worte. Überlege wer Dich und Deine Familie unterstützt und an Dich denkt. Und überlege, wer Dich runterzieht.
Ich rede nicht davon, was die Leute sagen, sondern wie sie Dich behandeln und was sie tun. Versprechen und Zusagen sind oft bedeutungslos. Wie die Leute mit Dir umgehen ist von Bedeutung.
Denn nicht jeder wird Deine Probleme verstehen, aber zumindest ist er/sie da. Die Unterstützer verzeihen Dir Fehltritte, wenn Du mal neben der Spur bist.

Versuche Muster zu erkennen, wenn etwas immer wieder passiert, dass Leute Termine nicht einhalten oder nicht absagen, Dich anlügen, nicht auf Mails antworten, miese Qualität liefern, dann ist das ein Muster.
Wirst Du bei Facebook von jemandem kontaktiert, den Du nicht kennst? Nach Freigabe sofort zur Fanseite eingeladen? Oder noch schlimmer gleich einer Gruppe hinzugefügt? Dann kannst Du Dir sicher sein, dass es nur um die eigenen Ziele der Person geht, aber keinesfalls um Dich.
Jemand verteilt auf einer Veranstaltung Visitenkarten, ist dann aber zum Networking weg?
Kommt jemand immer mit den eigenen Angelegenheiten an, ist dann aber nicht da, wenn Du Hilfe brauchst?

Einseitige Beziehungen gehen einfach gar nicht. Mach Dir eine Regel, zum Beispiel, wenn 3x etwas Bestimmtes passiert, dann weißt Du, es ist eine Gewohnheit und nicht ein Ausrutscher in einer schlechten Stimmungsphase.

Filtere aus, wer Dir Energie entzieht. Wenn Du Dich von den Egoisten trennst, hast Du mehr Zeit für Deine Familie und Deine Unterstützer. Überlege, wen Du schon lang nicht mehr getroffen hast, Du aber gerne magst. Und reduziere die Kontakte, die Dich runterziehen und Lebenszeit rauben in Deinem Terminkalender, WhatsApp, Skype, Xing, LinkedIn usw. Wer viel Networking betreibt, kennt zwangsläufig viele Menschen. Konzentriere Dich einfach auf die Netten, gib ihnen etwas zurück und lass Dir nicht die Energie entziehen!

4. Die richtigen Menschen im Heißluftballon

Dass es bei meinen beiden Unternehmungen falsch lief, war irgendwann offensichtlich, doch die Ursachenforschung hat etwas gedauert. Es sind „die richtigen Menschen im Heißluftballon“, sprich die Menschen hinter der Firma.
Ich habe über die Jahre so viele Firmen, Inhaber und Gründer kennengelernt. Die Geschäftsidee kann noch so gut sein, die Ressourcen können noch so gut sein, wenn die Menschen hinter der Firma nicht die richtigen sind, ist die Firma zum Scheitern verurteilt. Doch die Reißleine zu ziehen und in die Konfrontation mit den Menschen zu gehen, muss auch erst gelernt werden. So haben meine beiden alten Firmen zurecht den Platz für die neue Firma räumen müssen. Es waren einfach nicht die richtigen Passagiere an Bord.

Ich muss sagen, es ist eine Befreiung, endlich professionell arbeiten zu dürfen. Ich finde eine Firma ist gut vergleichbar mit der Reise in einem Heißluftballon.
Du hast ein Ziel, wo es hingehen wird. Doch auf welchen Wegen es Dich dahin wehen wird – das ist das Abenteuer. Der Wind kommt und geht, das hast Du nicht in der Hand.

Die richtigen Menschen im Heißluftballon - die Menschen hinter der Firma

Besonders interessant sind bei den Menschen der Ballonfahrt: der Ballonfahrer, die Passagiere und die Bodencrew.

Die Aufgaben des Ballonfahrers

Die Aufgaben des Unternehmers und Ballonfahrers sind vielfältig:

  • Das Ziel nicht aus den Augen verlieren
  • Berge, Baumspitzen, Unwetter und Vogelschwärme schon vorausschauend sehen
  • Die Zielerreichung messen
  • Den Kurs nachjustieren und dadurch in der richtigen Höhe und Luftströmung sein
  • Fortbildung, um das Ziel noch effektiver zu erreichen
  • Ballast abwerfen, um dadurch schlanker und schneller voranzukommen
  • Die Hauptaufgabe des Ballonfahrers ist allerdings Rahmenbedingungen zu schaffen, um die guten Passagiere an Bord zu holen und das Unternehmen vor unliebsamen Passagieren zu schützen.

Die Aufgabe und Arten der Passagiere

Das Allerwichtigste bei der Ballonfahrt sind die richtigen Passagiere. Denn es gibt die unterschiedlichsten Arten von Passagieren. Du musst schauen, dass alle Passagiere in den Ballon heiße Luft für mehr Auftrieb pusten und sie das aus eigenem Antrieb gerne machen. Es darf kein Passagier nicht pusten oder in eine andere Richtung pusten. Sonst kommst Du zwar irgendwo an, aber nicht am Ziel. Die richtigen Passagiere zu finden, ist allerdings ein eigenes Thema.

Hier eine Reihe von unguten Passagieren, die schnell wieder aussteigen sollten:

Manchmal verstecken sich Neinsager im Passagierkostüm, deren Hauptziel ist es, sich zu beschweren und die anderen vom Pusten abzuhalten. Manchmal sehen sie, dass der Ballon ein Loch hat, doch sie schauen einfach zu, wie das Loch größer wird und sagen nichts. Dieses Verhalten geht, wenn man nicht aufpasst, sogar soweit, dass sie sich aus dem Ballon noch zusätzlich Luft abzapfen. Diese Haltung ist eine gefährliche, ansteckende Krankheit und verbreitet sich schnell. So können dann immer mehr Passagiere als Neinsager infiziert werden und der Ballon nimmt Schaden.

Unbedingt zu vermeiden ist es auch, dass sich ein Blinder Passagier ohne Funktion an den Korb dranhängt. Das ist nicht nur unfair und teuer, sondern auch instabil für den Ballon.

Dann gibt es noch die Chaoten Passagiere. Sie vergessen ihre warme Jacke, ein festes Schuhwerk und ihr Pausenbrot. Dann muss der gesamte Ballon wieder runter, um die vergessene Ausrüstung zu holen. Die Chaoten lassen gerne auch Sachen liegen, über die andere dann stolpern und Hals über Kopf über den Korb hinauskippen. Sie schauen dann dem anderen stolpernden Passagier lächelnd, aber verständnislos, nach, warum dieser denn nicht aufgepasst hat, da lag doch was!

Und dann gibt es noch die Glitzer Passagiere, die nur leidlich pusten können, aber sie denken sie sind etwas Besonderes. Da sind dann alle anderen Passagiere sauer, weil sie für denjenigen auch noch mitpusten müssen.

Dann gibt es noch die Trampel Passagiere, meist engverwandt mit den Neinsagern, die sich in Sachen sozialer Kompetenz offenbar vom Reality-Fernsehen inspirieren lassen. Das sorgt dann für eine schwierige Atmosphäre, weil man sie kaum kritisieren kann ohne einen Eklat heraufzubeschwören.

Die Bodencrew für den Betrieb der Ballonfahrt

Grundsätzlich muss und sollte die Ballonfahrtgesellschaft nicht alles selbst machen. Die Ballonseide muss nicht selbst hergestellt werden, auch der Korb und die Seile müssen nicht selbst geflochten werden. Selbst das Kartenmaterial muss oft nur angepasst werden, nicht komplett neu erfunden werden. Denn bei all diesen Tätigkeiten ist die Hälfte der Passagiere am Boden beim Arbeiten, die anderen sitzen im Korb und wollen fliegen. Dass das so nicht funktionieren kann, ist ja wohl klar. Natürlich kann man in Bodennähe fliegen, aber hey, das ist nicht der Sinn eines Heißluftballons, oder? Der muss fliegen! Zuliefern kann eine eigene spezialisierte Bodencrew, die das meist sowieso besser kann, weil sie ausschließlich das macht. Die übergeben Dir das dann oben in der Luft, was Du brauchst.

Fazit zum „Unternehmer sein“ – Du musst „Business machen“ lieben

Die Kunst im Business ist das große Ganze im Blick zu behalten. Der Unternehmer muss das „Business machen“ an sich lieben. Er muss beliebte und unbeliebte Entscheidungen treffen, die langfristig trotzdem das Beste für die Ballonfahrt und die Passagiere sind. Nicht-Entscheiden ist jedenfalls auch eine Entscheidung. Das würde nämlich bedeuten, dass man reagiert und nicht agiert.
Und zu guter Letzt sollte der Unternehmer die Probleme nicht ständig selbst lösen, sondern die Wurzeln der Probleme unschädlich zu machen, damit die Fahrt wieder effektiv weitergehen kann. Das unterscheidet ihn vom Selbstständigen, der alles selbst und ständig macht.

Ich hoffe Du konntest Dir einiges von meinem Beitrag mitnehmen und machst nicht alle Fehler nochmal durch, die ich gemacht habe 😉

Dein Feedback zu 3 Jahre Selbstständigkeit (und 1 1/2 Jahr Unternehmer)

Der alte Beitrag zu 1 Jahr Selbstständigkeit hatte erstaunlich viele positive Rückmeldungen von Lesern und das über lange Zeit hinweg. Ich bin gespannt, auf Eure Reaktionen zu 3 Jahre Selbstständigkeit und Eure eigenen Erfahrungen mit der Selbstständigkeit und dem Unternehmertum.

Über den Autor:

Richard Sirch ist Online Stratetegieberater bei Webgeist Online Positionierung (webgeist.de). Webgeist steht für das Beste aus Web und Unternehmergeist. Durch unsere klar strukturierte Online Positionierung erhalten innovative Produkte oder erklärungsbedürftige Dienstleistungen mehr Anfragen.

3 Kommentare

  1. John 14. Dezember 2016 um 2:25 Uhr - Antworten

    Hi Richard,

    sehr schöne Zusammenfassung! Super wichtig finde ich ist die permanente Weiterbildung des ganzen Teams und der Fokus auf die Lösung von echten Kundenproblemen. Aber am allerwichtigsten scheint mir zu sein, dass man wirklich „sein Element“ findet und mit Leidenschaft dabei ist. Die Leute spüren einfach, ob jemand halbherzig bei der Sache ist oder mit Herzblut an die Sache geht. Viel Erfolg weiterhin!

  2. Heinz 15. Dezember 2016 um 11:22 Uhr - Antworten

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Nach 16 Jahren eigener Firma sieht das nicht anders aus. 🙂

  3. Karl 15. Dezember 2016 um 16:26 Uhr - Antworten

    Hallo Richard,

    treffender kann man es nicht formulieren. Als Unternehmer sieht man über den Tellerrand und trift Entscheidungen auch mal gegen den Strom. Das hier nicht alles „Friede, freude, Eierkuchen“ sein kann ist hier völlig normal.

    Hierzu benötigt es grundsätzlich eine gewissen Passion als auch Vision die eben nicht jeder mitbringt, auch wenn es jeder besser wissen will.

    Bleib Dir weiter selbst treu und behalte Deinen Drive auch bei rückschlägen, denn dieser fährt Dich am Ende zum Erfolg.

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